Auf den ersten Blick gehören die Bilder von Beate Hanek der neoexpressiven Malerei an. Hier spricht die Sprache der Farbe in seiner ganzen Ausdruckskraft und Vielfalt. Anklänge an Landschaftliches, schemenhafte Portraits, Kosmisches und Sphärisches genauso wie Erdiges und Waldnahes treten dem Betrachter entgegen und entziehen sich wiederum der genauen Bestimmung. Die Kompositionen sind bestimmt durch das Spiel zwischen Erkennbarem und Abstraktionen. Der Betrachter begegnet  farbenstarker, kontrastreicher und lebendig expressiver 

Farbgebung. Der wilde Farbduktus, die lockeren Farbflüsse, scheinbare Spontanitäten im Wechselspiel mit eindeutigen Bestimmungen in Komposition und Farbe werfen Fragen auf.

 

Wohin führen mich ihre Bilder? Bleibt es bei dem leichten Spiel zwischen Bestimmung und Unbestimmtem?

Dieses aufgebaute Spannungsfeld zwischen freier Form und erkennbarem Inhalt, zwischen Gefühl und Verstand, zwischen Warmem und Kaltem, Fließendem und Festem, Auflösung und Zusammenfügen ist wie ein freundliches Pendel, auf das man sich einlassen kann. Es lädt ein, selbst in einen schöpferischen Prozess zu gehen, der den Betrachter in der Schwebe hält. Nach einer Weile des vorurteilsfreien Betrachtens entsteht ein neues Bewußtseinfeld.

 

Ganzheitlichkeit tut sich auf, bei der die Gegensätze verschmelzen möchten. Ein Erleben und Erinnern tut sich auf, daß wir im Unterbewußtsein einen unerschöpflichen Vorrat an vergrabenen Bildern besitzen und daß es Sache des Mutes ist, eine Entdeckungsreise anzutreten, um unverfälschte Fundstücke ans Tageslicht zu fördern, deren Verkettung man als irrationale Erkenntnis oder poetische Objektivität bezeichnen könnte.

 

Oktober 2017                                                                                                       Michel Leon